Börsen Forum 2026 – Deine Finanzcommunity

Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

Systematisch statt Bauchgefühl: wie ich meine Dividendenauswahl umgestellt habe

Ich lese hier schon eine Weile mit und wollte mal etwas zurückgeben, weil mich das Thema Auswahl von Dividendenwerten die letzten Jahre am meisten Nerven gekostet hat. Nicht das Kaufen an sich. Sondern die Frage davor: Welche Aktie überhaupt, und warum ausgerechnet die.

Mein Ablauf war jahrelang ziemlich beliebig. Ich bin über eine Dividendenrendite gestolpert, die gut aussah, habe zwei, drei Artikel gelesen, kurz auf den Chart geschaut und dann gekauft. Manchmal ging das gut. Manchmal war die hohe Rendite genau deshalb hoch, weil der Kurs vorher aus einem guten Grund gefallen war und die Ausschüttung ein halbes Jahr später zusammengestrichen wurde. Diese Erfahrung hat vermutlich hier jeder schon mal gemacht.

Was mir gefehlt hat, war eine feste Reihenfolge. Also nicht mehr Meinungen, sondern eine Reihenfolge: Erst das, dann das, und wenn Punkt drei nicht passt, dann eben nicht kaufen, egal wie verlockend die Rendite aussieht. Genau deshalb habe ich mir irgendwann einen bezahlten Kurs dazu angesehen, die Dividenden Strategie Masterclass von Andreas Hollmotz, den viele als Dividenden Backpacker kennen.

Der Aufbau ist in elf Blöcke sortiert, und was mir daran gefiel: Die Reihenfolge der Blöcke ist auch die Reihenfolge, in der man tatsächlich vorgeht. Erst Verständnis für das Geschäftsmodell, dann Kennzahlen, dann Bewertung, und erst danach die Frage nach dem Zeitpunkt. Ich hatte das vorher genau andersherum gemacht und mich zuerst mit Einstiegskursen beschäftigt.

Was ich vorher unterschätzt hatte, ist der Unterschied zwischen einer Kennzahl anschauen und eine Kennzahl einordnen. Eine Ausschüttungsquote von siebzig Prozent bedeutet bei einem Versorger etwas völlig anderes als bei einem Industrieunternehmen, das alle paar Jahre größere Summen in Anlagen stecken muss. Genau solche Vergleiche innerhalb einer Branche statt quer über alle Branchen hinweg werden im Kurs mehrfach durchgespielt, und das war für mich der Moment, an dem einiges klickte.

Der für mich wertvollste Teil war der zur Bewertung. Nicht weil dort irgendeine Geheimformel steht, die gibt es nicht, sondern weil dort sauber getrennt wird zwischen einem Unternehmen, das gerade günstig ist, und einem, das billig ist, weil es Probleme hat. Diese Unterscheidung klingt banal, wenn man sie liest. Sie im eigenen Depot konsequent anzuwenden, ist deutlich schwerer, und dafür braucht es tatsächlich Übung an Beispielen. Die sind im Kurs drin.

Zum Umfang: Es sind über 65 Lektionen, und die Gesamtlaufzeit liegt laut Kursseite jenseits der elf Stunden. Das klingt nach viel, ist aber in kurze Einheiten geschnitten, sodass man das gut über mehrere Wochen verteilen kann. Ich habe knapp zwei Monate gebraucht, weil ich parallel im Depot mitgearbeitet und nicht einfach durchgeschaut habe. Wer nur konsumiert, ist schneller fertig und hat vermutlich weniger davon.

Dazu gibt es einen Newsroom-Zugang, über den nachträglich Material kommt. Bezahlt wird einmal, das ist kein Abo, an dem man später wieder herumkündigen muss. Nach Angaben des Anbieters haben inzwischen über 700 Teilnehmer den Kurs belegt.

Und jetzt der Teil, den ich für wichtiger halte als jede Kursbeschreibung: Was der Kurs nicht leistet. Er macht aus Aktien keine sichere Sache. Kurse fallen, auch bei soliden Unternehmen, und eine Dividende ist kein Zins, sondern eine Entscheidung des Vorstands, die jedes Jahr neu getroffen wird. Sie kann gekürzt oder gestrichen werden, und das passiert genau dann, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann. Wer eine Methode sucht, die schnell Geld bringt, ist beim Dividendenthema grundsätzlich falsch, weil das Ganze über Jahrzehnte funktioniert oder gar nicht.

Ehrlich dazu: Ich bin damals über eine Empfehlung reingekommen und verlinke selbst über einen Partnerlink, ich verdiene also mit, wenn jemand darüber kauft. Wer sich das ansehen will, findet die Kursbeschreibung mit allen elf Modulen hier. Wer das nicht möchte, sucht den Namen einfach direkt, das ist völlig in Ordnung.

Ein zweiter Punkt, der sich für mich gelohnt hat, ist der Umgang mit Verkäufen. Über das Kaufen wird überall geredet, über das Verkaufen kaum, und genau da habe ich vorher am meisten falsch gemacht. Meine Regel war faktisch, gar nicht zu verkaufen, was bequem klingt, aber dazu führt, dass man an Unternehmen festhält, deren Geschäft sich längst verschlechtert hat. Im Kurs gibt es dazu klare Kriterien, die man vorher festlegt statt mitten im Kursrutsch.

Was sich bei mir konkret geändert hat: Ich kaufe seltener und begründe jeden Kauf schriftlich in einer simplen Textdatei. Zwei Sätze, warum ich das Unternehmen für tragfähig halte, und ein Satz, was passieren müsste, damit ich wieder verkaufe. Klingt nach Bürokratie, hat aber dafür gesorgt, dass ich in schwachen Marktphasen nicht panisch werde, weil ich nachlesen kann, was ich mir damals gedacht habe.

Mich würde interessieren, wie ihr das handhabt. Habt ihr eine feste Reihenfolge, nach der ihr Werte prüft, oder entscheidet ihr eher aus dem Bauch heraus und korrigiert später? Und schreibt ihr eure Kaufgründe irgendwo mit, oder haltet ihr das für überflüssig?